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Unsere Geschichte Chronik der Feuerwehr

Nachfolgende Chronik erschien anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Östrum in der Festzeitschrift.

1874

Im Jahre 1874 traten 8 Männer in der Gemeinde Östrum unter Führung des Mühlenverwalters August Schrader zusammen und gründeten, dem Vorbild der Nachbargemeinde entsprechend, in Östrum die Freiwillige Feuerwehr. Die Mannschaftsstärke entsprach damals wie heute ca. 10% der Einwohnerschaft. Als Mühlenverwalter war Schrader auf der damaligen von Cramm'schen Getreide- und Sägemühle hier in Östrum, heute Baugeschäft Thiemt, tätig.

1883

Nach Schrader übernahm der Tischlermeister Uhde die Wehr. 1883 kam als schneidiger Kavallerist der Bauer Karl Sandvoß, Großvater des ehemaligen Gemeindebrandmeisters, vom Militär zurück und übernahm, da mit Leib und Seele Feuerwehrmann, die Wehr.

Karl Sandvoß schrieb am 17.01.1883 nach der Jahreshauptversammlung das erste Protokoll. Ebenfalls wurden die ersten Statuten, bestehend aus 12 Paragraphen, beschlossen, schriftlich festgehalten und von allen 10 Mitgliedern unterschrieben.

1908 – 1924

1908 wurde Karl Sandvoß zum Gemeindevorsteher gewählt und es trat an seine Stelle als Führer der Wehr der Landwirt Emil Kook. Durch den unglücklichen Ausgang des 1. Weltkrieges, aus dem Emil Kook krank zurückkam und an dessen Folgen er verstarb, war es um die Einigkeit und Kameradschaft in unserer Wehr schlecht bestellt. Sie drohte auseinanderzubrechen und durch Verordnung der Behörde in eine Pflicht-Feuerwehr umgewandelt zu werden. Der alte Herr Sandvoß, der sich noch immer als Vater der Wehr fühlte, wollte den Zusammenbruch der Wehr, welche ein Teil seines Lebenswerkes war, nicht erleben. Er richtete einen Appell an die jungen Männer des Dorfes und dank seines Einflusses fanden sich unter Führung von Karl Meier, Karl, Herbert und Walter Sandvoß, August Dörrig, August Meier, Wilhelm und Walter Könnecker, Karl Klages, Karl Oppermann, Karl Gerbes, Otto Kreth, Otto Andreas, Hermann Wille und Hermann Ihme, im alten Geist vereint zusammen. Die Krise war überbrückt und am 1. und 2.7.1924 wurde unter den damaligen Rübensälen der Zuckerfabrik, mit viel Bier und Musik das 50-jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Östrum gefeiert.

1947 – 1949

1947 gelang es dem damaligen Bürgermeister Paul Heinrich, ein für die damaligen Verhältnisse modernes Feuerlöschfahrzeug (LF 32) mit eingebauter Spritze für die Gemeinde zu kaufen. Kurz vor der Währungsumstellung wurde der Kauf von der Landesverwaltung Kiel beanstandet und der Kaufpreis am Tag vor der Währungsumstellung zurückgewiesen. In weiser Voraussicht wurde 3 Tage vor der Währungsumstellung das Konto in Harbarnsen gelöscht und das Geld von der Kreissparkasse nach Kiel zurücküberwiesen. Damit war das Fahrzeug für die Gemeinde gerettet. Mit der Übernahme dieses motorisierten Löschfahrzeuges kam Karl Meier zu der Erkenntnis, dass er der Wehr einen Dienst erweisen würde, wenn die Führung der Wehr jüngeren, frischeren Kräften übertragen würde. Gelegentlich eines Kameradschaftsabends trat Karl Meier zurück und unter dem Beifall der Feuerwehrkameraden wurde Heinrich Rott zum Führer der Wehr gewählt. Heinrich Rott verstand es, unter den Nachwuchskräften unseres Dorfes begeisterte Feuerwehrleute zu werben, so dass diese Lücke, die der Krieg in die Reihen der Wehr gerissen hatte, bald wieder aufgefüllt war.

1949 wurde im Clubzimmer der Kreth'schen Gastwirtschaft ein für die damaligen Verhältnisse luxuriöses 75-jähriges Jubiläum gefeiert. Aus einem, bei Karl Henkel, schwarz geschlachteten Schwein bereitete Frau Stief ein vortreffliches Essen; für Schnaps und Bier hatte der Bergmüller gesorgt. Der Festakt endete mit Hausfriedensbruch beim Bürgermeister, der dann wutentbrannt die ganze Wehr auf den Milchwagen lud und morgens um 5 Uhr die Wehr zur Strafe durch Bodenburg fuhr. In Bodenburg wurden alle Gaststätten besucht und im Zustand der geistigen Verwesung wurde die Wehr in Östrum wieder abgeladen.

1956 – 1959

1956 traten bei Heinrich Rott schon Rheumabeschwerden ein und er bat in der Generalversammlung, ihn von der Führung der Wehr zu entbinden. Es wurde, seinem Vorschlag entsprechend, Karl Sandvoß als neuer Gemeindebrandmeister gewählt.

Im Herbst 1958 stellten sich bei dem Löschfahrzeug (LF 32) in verstärktem Maße Abnutzungserscheinungen ein, die eine größere Reparatur notwendig machten. Das Fahrzeug war während des Krieges bei Bombenangriffen in Kiel zu Löschzwecken eingesetzt und wohl nicht immer pfleglich behandelt worden. Aufgrund eines Ratsbeschlusses wurden an dem Fahrzeug keine Reparaturen mehr durchgeführt, sondern nach Besichtigung mehrerer Fabrikate in den Ortschaften Schellerten, Hoheneggelsen, Dinklar und Groß Rhüden entschloss man sich, das alte Fahrzeug in Zahlung zu geben und ein Ziegler-Löschfahrzeug zu kaufen. Nach einer zur Zufriedenheit ausgefallenen Probevorführung wurde das Ziegler-Fahrzeug bestellt.

Anlässlich des 85-jährigen Bestehens der Wehr wurde das neue LF8 in feierlicher Form der Freiwilligen Feuerwehr übergeben. Zum Übergabeakt waren erschienen: Als Mitglied des Kreistages Herr Fritz Wegener, als Vertreter der hiesigen Industrie Dr. Hemmecke und Kreisbrandmeister Willke.

Am 31.01.1959 wurde die Östrumer Feuerwehr aufgrund ihrer guten Ausbildung und modernen Ausrüstung zur Stützpunktfeuerwehr für den überörtlichen Feuerschutz vom damaligen Kreisbrandmeister Willke erklärt.

1963 – 1967

1963 wurden zwei Pressluftatmer für schweren Atemschutz angeschafft, das dritte Gerät ein Jahr später gekauft. 12 Kameraden wurden als Träger für schweren Atemschutz ärztlich untersucht und für den Einsatz ausgebildet.

Am 13.06.1964 feierte die Wehr in der Gaststätte Maiental ihr 90-jähriges Bestehen, wozu die ganze Gemeinde eingeladen war. Als Gäste waren geladen und erschienen der Kreisbrandmeister Harms, Oberinspektor Wohlberedt, Schirrmeister Busche und Unterkreisbrandmeister Oestern.

Die Wehren Breinum, Wehrstedt, Salzdetfurth und Bodenburg waren durch Abordnungen vertreten. Gestaltet und geformt wurde das Fest durch den Festausschuss, die Kameraden Reifenberger, Jankowski, K.-A. Look und H. Falke. Im Anschluss an die Feier im Maiental fand am 14.06. auf dem Battmer'schen Hof ein Kinderfest unter Mitwirkung der Bodenburger Feuerwehrkapelle statt. An demselben Morgen trafen sich die Kameraden in der Gaststätte Mehl zum Katerfrühstück.

Alles in allem ist festzustellen, dass dank der vielen Arbeit des Festausschusses ein sehr gelungenes Jubiläumsfest stattgefunden hat.

Am 04.11.1967 wurde unserer Wehr ein neues Feuerwehrgerätehaus mit großem Schulungsraum und Zubehör von der Gemeinde mit feierlichem Rahmen übergeben. Der Schulungsraum gibt uns die Möglichkeit, den theoretischen Feuerwehrdienst, früher auch auf Unterkreisebene, zu pflegen.

1967 wurde eine überörtliche Funkalarmierung in unserem Dorfe eingerichtet, das Löschfahrzeug LF 8 mit Funk ausgerüstet, eine neue Tragkraftspritze und das noch fehlende Schaumlöschgerät angeschafft. Somit war das LF 8 (Opel Blitz) aufs modernste eingerichtet und allen Anforderungen gewachsen.

1974 – 1976

Waren die zurückliegenden Jubiläumsfeste schon eine Klasse für sich, so war das 100-jährige Jubiläum vom 03. bis 05. Mai 1974 die Krönung. In wochenlanger Vorarbeit wurde, unter der Regie des Festausschussvorsitzenden Manfred Andreas, der Ort gründlich gesäubert, danach mit viel Grün, Girlanden und zahlreichen bunten Fahnen ausgeschmückt und ein großes Zelt aufgebaut.

Nach Beendigung des Kommers kam am Freitag der erste Höhepunkt: ein Konzert des Polizeimusikkorps Niedersachsen unter Leitung von Polizeihauptkommissar Günter Meinecke. Der verstand es, die Stimmung bei den zahlreichen Zuhörern zu steigern. Erst nach 4 Zugaben hatten die Musiker ihren wohlverdienten Feierabend.

Der Sonnabend gehörte ganz den Kindern. Der Musikcorps Breinum führte den Kinderumzug an, danach gab es lustige Tanz- und Wettspiele im Zelt. Nach dem Wecken durch den Bodenburger Spielmannszug und dem Feldgottesdienst folgte am Sonntag ein weiterer Höhepunkt, der Festumzug.

53 Vereine nahmen am Umzug teil, selbst der einsetzende Regen konnte die gute Laune der über 1000 Besucher und Gäste nicht beeinflussen.

Am Montag nach dem Fest, als die Aufräumarbeiten durchgeführt waren, wurden die sichtlich erschöpften Feuerwehrmänner von Adelheid Frötter ("Gasthaus Mehl") zur Vesper eingeladen. Da sie nur noch Brot im Hause hatte, wurden einige Aktive und auch Kinder zu den Landwirten ausgesandt, um Wurst und Eier zu holen.

Der Kamerad Oskar Heide organisierte in der Zwischenzeit, nach zähen Verhandlungen mit dem ehemaligen Direktor der Zuckerfabrik, Herrn Dr. Hemmecke, die flüssige Nahrung. So wurde noch bis in die Morgenstunden hinein gegessen, getrunken und gesungen.

Nach 20-jähriger, erfolgreicher Führungsarbeit fasste der damalige Ortsbrandmeister Karl Sandvoß, durch gesundheitliche Gründe bedingt, schweren Herzens den Entschluss, sein Amt 1976 zur Verfügung zu stellen.

Einstimmig wurden Udo Heinrich zum Ortsbrandmeister und Erwin Friebe zu dessen Stellvertreter gewählt. Karl Sandvoß wurde die Bezeichnung "Ehrenbrandmeister" verliehen. Die folgenden Jahre gab es für die Kameraden "nichts mehr zu fummeln". Hatte der neue Ortsbrandmeister Udo Heinrich einmal etwas entschieden, so sagte er: "So machen wir's, da gibt's nichts mehr zu fummeln."

1985 – 1988

1985 wurde es aufgrund steigender Mitgliederzahlen, neuer technischer Aufgaben und Ausrüstungen sowie bedingt durch den Wegfall der Östrumer Gastronomie im 1967 erbauten Feuerwehrgerätehaus zu eng. Ein Anbau musste her. Hier waren alle Kameraden gefordert: In zahlreichen Arbeitsstunden wurden Schulungs- und Geräteräume erweitert und eine Küche eingerichtet.

Im Herbst 1985 waren die Mühen und Plagen vergessen, als das 111-jährige Jubiläum im Maiental mit zahlreichen Gästen und einer rauschenden Ballnacht gefeiert wurde.

Am 28.09.1986 zeigten sich an dem bereits seit 27 Jahren im Einsatz befindlichen LF 8 ernst zunehmende Ausfallerscheinungen, als man mit Kupplungsschaden in Gronau liegen blieb und abgeschleppt werden musste. Da Original-Ersatzteile nicht mehr beschafft werden konnten, wurde das LF 8 behelfsmäßig repariert und ein neues Fahrzeug beantragt.

Am 05.11.1988 war es endlich soweit: Das neue LF 8 der Marke Mercedes-Benz wurde feierlich übergeben. Knapp zwei Jahre später wurde die Einsatzkraft durch die Übergabe einer neuen TS 8 nochmals gestärkt.

1990 – 1994

Waren 1974 die Östrumer Frauen den Männern schon immer einen Schritt voraus, so waren es 1990 zwei Schritte – der Beginn einer neuen Ära.

Am 13.01.1990 traten Gerlinde Battmer, Renate Feuerhahn, Karin Habekost, Evelyn Helfenbein, Heike Mahnkopp, Nicole Nolte, Viola Oevermann, Alexa Thölke und Irene Witte auf Initiative von Heinrich (Heier) Sander aktiv in die Wehr ein und bildeten die erste komplette Damengruppe im Stadtgebiet. Nach kurzer Trainingszeit waren sie fit und zeigten ihr Können bereits im Juni 1990 bei den Stadtwettkämpfen mit einem 4. Platz. Auch die Grundausbildung im Herbst legten sie mit Bravour ab und überzeugten so die "Männerwelt" von ihrer Leistungsfähigkeit. Nicht nur die Trainer der Damen, Heinrich Sander und Edgar Helfenbein, auch die Pessimisten in den eigenen Reihen waren stolz auf ihre Damen. Mit Heike Battmer und Kerstin Krug wurde die Damengruppe verstärkt und stellte in den folgenden Jahren ihr Können nicht nur bei Wettkämpfen (3. Platz und zweimal 2. Platz bei den Stadtwettkämpfen), sondern auch im Einsatz unter Beweis. Unsere Frauen sind heute aus der Wehr nicht mehr wegzudenken.

Im Januar 1994 wurde Ernst Mahnkopp nach 28-jähriger Tätigkeit als Schrift- und Kassenwart aus dem Kommando verabschiedet und für 40-jährigen aktiven Dienst geehrt. Für 25-jährigen aktiven Dienst wurde Gerd Battmer mit dem Feuerwehrzeichen in Silber geehrt.

Nach nur 4 Jahren aktiven Feuerwehrdienstes wurde das Fernsehen auf unsere Damen aufmerksam und drehte in Östrum zum Thema "Frauen in der Feuerwehr". Einen ganzen Tag standen unsere Damen vor der Kamera und zeigten nicht nur auf feuerwehrtechnischem Gebiet ihre Leistungsfähigkeit.

Im September 1994 wurden unsere Damen aufgrund ihrer erbrachten Leistung anlässlich des 120-jährigen Jubiläums zu Oberfeuerwehrfrauen befördert. Das Fehlen einer Aktiven wurde von Stadtbrandmeister Alfred Bellgardt mit den Worten kommentiert: "Ich entschuldige das Fehlen bei der Beförderung, wenn sie die Zeit für die Nachwuchssicherung nutzt." Unter den zahlreichen Gästen konnte auch Kreisbrandmeister Heinrich Pape erstmalig in Östrum begrüßt werden, der sich für die regelmäßige Ausrichtung der Kreiswettkämpfe bedankte. Neben zahlreichen Beförderungen wurde Ehrenbrandmeister Karl Sandvoß für 50-jährige Feuerwehrzugehörigkeit mit der Ehrennadel des Kreisfeuerwehrverbandes ausgezeichnet. Ortsbrandmeister Udo Heinrich bemerkte nach dem Rückblick auf die vergangenen 120 Jahre: "Neben Bodenburg sind wir die älteste Wehr im Stadtgebiet. Wir hatten nie Probleme mit der Nachwuchssicherung."

1995 – 1997

Bei der Teilnahme am 4. Landesentscheid am 09.09.1995 in Schüttorf wurde die Wettkampfgruppe und alle Mitgereisten von Rosemarie (Rosi) Battmer durch die Stiftung und die feierliche Übergabe einer eigenen Feuerwehrfahne überrascht.

Am 6. Dezember 1996 wurde Erwin Friebe als Zugführer der FB 3 verabschiedet. Von 1969 bis 1984 als Gruppenführer und dann bis 1996 als Zugführer hat er, bedingt durch Gebietsveränderungen und daraus resultierende Umstellungen, unter 8 Bereitschaftsführern insgesamt an 192 Bereitschaftsdiensten teilgenommen. Die Kameraden des 4. Zuges überreichten ihm ein Präsent und 3 Groschen (zum Telefonieren). Die eigenen Leute hatten ihn einmal im Gerätehaus vergessen, sodass er sie von der Telefonzelle aus über die FTZ zurückpfeifen musste.

Im Januar 1997 erfolgte anlässlich der Jahreshauptversammlung der nächste Wach- und gleichzeitig auch Generationswechsel bei den Östrumern. Nach nicht weniger als 21 Jahren – so lange wie niemand zuvor – legte Udo Heinrich das Zepter aus der Hand. Ralf Mahnkopp wurde einstimmig zu seinem Nachfolger gewählt. Die einstimmigen Kommandowahlen ergaben: Stellvertr. Ortsbrandmeister Erwin Friebe, Kassierer Ulrich Sander, Schriftführerin Heike Mahnkopp, Gruppenführer Matthias Look, Gerhard Battmer und Edgar Helfenbein (der gleichzeitig als Sicherheitsbeauftragter bestätigt wurde), Gerätewart Karl-Heinz Sackmann sowie als Frauenbeauftragte Heike Battmer. Die Versammlung war auf Vorschlag von Ortsvorsteher Gerhard Battmer einstimmig für die Ernennung von Udo Heinrich zum Ehrenbrandmeister.

Seit 1998 – Heute

Auch nach dem 125-jährigen Jubiläum hat sich die Feuerwehr Östrum stetig weiterentwickelt. Mit der Gründung des eingetragenen Fördervereins Freiwillige Feuerwehr Östrum e.V. (VR2175) sowie der Etablierung der Kinderfeuerwehr „Löschzwerge“ ist der Verein bis heute ein unverzichtbarer und aktiver Pfeiler für den Brandschutz, die Nachwuchsförderung und das lebendige Dorfleben in Östrum.

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